Altersarmut: Mögliche Wege aus der bevorstehenden Krise

Von Altersarmut sind verschiedene Bevölkerungsgruppen auf unterschiedliche Weise betroffen. Herbert Rische als Präsident der DRV (Deutsche Rentenversicherung) warnt vor Übertreibungen bezüglich einer angeblich massenhaft drohenden Altersarmut, will das Problem aber nicht kleinreden. Nach den Erhebungen der DRV halten nach wie vor 75 Prozent aller Deutschen die gesetzliche Rentenversicherung für die sicherste Form der Altersarmut.

Altersarmut: Wer ist betroffen?

Die Gruppen, die vorrangig von Altersarmut betroffen sind, rekrutieren sich aus absolut unterschiedlichen Schichten, was die Bekämpfung der Altersarmut so schwierig macht. Rische identifiziert im Einklang mit anderen Fachpolitikern die folgenden vier Gruppen:

  • Frauen mit langen Kindererziehungszeiten
  • Niedriglöhner beiderlei Geschlechts
  • Erwerbsminderungsrentner, die schon zeitig aus dem Berufsleben ausgeschieden sind
  • Selbstständige, die im Verlaufe ihrer Erwerbsbiografie aus finanziellen Gründen – oft im Zuge einer Insolvenz – ihre private Altersvorsorge aufgelöst und nicht wieder neu eingezahlt haben

Aufgrund der Inhomogenität dieser vier Gruppen müssten mehrere, sehr unterschiedliche Konzepte zur Bekämpfung der Altersarmut vorgelegt werden. Teilweise existieren diese Konzepte schon, doch sie basieren teilweise auch auf Freiwilligkeit der Betroffenen selbst. Andere Fakten sind politisch schwer durchsetzbar:

  • Die Anrechnung der Kindererziehungszeiten soll über Mütterrenten erfolgen, ein Projekt, das bislang noch nicht politisch durchgesetzt werden konnte. Es geht hierbei vor allem darum, ob diese Renten aus Steuern oder Versicherungsbeiträgen bezahlt werden sollen.
  • Gegen die zu niedrigen Rentenbeiträge von Niedriglöhnern will die SPD in den anstehenden Koalitionsverhandlungen (November 2013) einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro einführen.
  • Erwerbsminderungsrentnern dürfte nach wie vor die bislang praktizierte Aufstockung ihrer Rente durch Sozialhilfe weiterhelfen.
  • Selbstständige können das Mittel der Rürup-Rente als Altersvorsorge wählen, die steuerbegünstigt, pfändungssicher (auch im Insolvenzfall) und leibrentenähnlich ausgestaltet ist. Das bedeutet: Diese private Altersvorsorge können sie sich weder selbst wegnehmen (sie ist unverkäuflich und nicht beleihbar) noch durch Insolvenz verlieren. Der Abschluss der Rürup-Rente geschieht jedoch absolut freiwillig.

Wie groß ist das Problem der Altersarmut?

Aktuell beziehen reichlich zwei Prozent aller Rentner eine zusätzliche Grundsicherung, was noch keine massenhafte Altersarmut bedeutet. Die oben genannten Gruppen sind jedoch gefährdet und teilweise jetzt schon stärker betroffen, denn rund 10 Prozent der ehemaligen EU-, jetzt Altersrentner benötigen schon die zusätzliche Grundsicherung. Gegen das Problem der Niedriglöhner schlägt DRV-Präsident Rische subventionierte Rentenbeiträge vor, statt eine flächendeckende Lohnuntergrenze festzulegen. Stark in der Diskussion ist die Absenkung des Rentenbeitrages ab 2014, die nach geltender Rechtslage aufgrund der Überschüsse der Rentenversicherung erfolgen müsste. Union und SPD sind sich einig darüber, die Mittel eher zur Bekämpfung der Altersarmut einsetzen zu wollen, was beim erwartbaren Zustandekommen einer Großen Koalition auch passieren dürfte.

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Vodafone-Übernahme durch AT&T?

Der amerikanische Telekommunikationskonzern AT&T plant offensichtlich eine Übernahme des britischen Konkurrenten Vodafone. Bislang haben sich die beiden Konzerne zwar noch nicht zu dem Deal geäußert, die Anzeichen verdichten sich aber sehr stark.

Übernahme und Zerschlagung von Vodafone?

Vodafone hat selbst gerade erst Kabel Deutschland übernommen und ist nun offenbar ein interessantes Kaufziel des Wettbewerbers AT&T, wie die Wirtschaftsagentur Bloomberg Anfang November 2013 meldete. Offensichtlich spielen die AT&T-Manager entsprechende Szenarien durch, die auf die Zerschlagung nach der Übernahme hinauslaufen. Der ganze Vorgang erschiene zwar als Sensation auf dem Telekommunikationsmarkt, aber nur bei oberflächlicher Betrachtung. Mehrere Argumente lassen den Milliardendeal plausibel erscheinen:

  • Big Deals von dieser Sorte waren bis zum Beginn der 2000er Jahre gang und gäbe, die M&A-Abteilungen (mergers & acquisitions) großer Banken lebten prächtig davon. Lediglich die Finanzkrisen ab 2001 dämmten das Geschäft ein und ließen aus dem Blick der Öffentlichkeit verschwinden.
  • In der Telekommunikationsbranche herrscht ein ultraharter Wettbewerb. Vodafone muss durchaus nicht zu den Gewinnern gehören, der Konzern schwächelt an einigen Stellen, er gilt als schlecht strukturiert.
  • Experten halten schon länger Fusionen für den einzigen Weg, um im Wettbewerb zu bestehen. Die Kartellwächter der EU beobachten entsprechende Vorgänge sehr genau.

Allerdings soll es bislang (Stand: 03.11.2013) noch keine formellen Gespräche zwischen AT&T und Vodafone geben. Bloomberg beruft sich auf Insider bei AT&T, die von der Ausarbeitung einer Übernahmestrategie berichtet hätten. Dabei steht wohl nicht nur Vodafone allein auf der Einkaufsliste der Amerikaner, auch der britische Telekommunikationskonzert EE könnte ein alternatives Übernahmeziel darstellen. Diese Firma ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Deutscher Telekom und der französichen Orange.

AT&T-Pläne nicht vollkommen überraschend

AT&T hatte in den vergangenen Monaten bis Jahren schon gelegentlich sein Interesse an europäischen Übernahmen bekundet. Die Strategen des Konzerns bewerten die Situation aus technischer Sicht so, dass die Handynetze auf den jüngsten Stand der Technik (LTE und LTE Advanced) zu bringen seinen, um in einem sich zuspitzenden Wettbewerbsumfeld einen vorderen Rang einzunehmen. Nur so seien in Zukunft noch hohe Gewinne, glauben die Amerikaner. Kunden würden auf die schnellsten Verbindungen setzen, geringe Preisunterschiede seien längst nicht so wichtig, wie viele Anbieter glauben. In den USA ist AT&T mit dieser Strategie bereits erfolgreich, darauf verwies AT&T-Chef Randall Stephenson. Als Übernahmekandidat ist der börsengelistete Vodafone-Konzern durchaus interessant, eine Regierungsbeteiligung gibt es – anders als bei anderen Anbietern – nicht. Auch das Timing passt gut zu den Übernahmeplänen, Vodafone ist nach seinem Verizon-Verkauf rund 96 Milliarden Dollar teuer, mit übernahmeüblichen Aufschlägen könnte der Kaufpreis am Ende zwischen 103 bis 118 Milliarden Dollar liegen.

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Abwärtstrend beim Silber hält an

Der Silberpreis könnte sich in den kommenden Wochen und Monaten in einem Abwärtstrend etablieren. Das befürchten mehrere Marktexperten unabhängig voneinander, der Chart gibt ihnen auf die Sicht von zwei bis drei Jahren recht. Im Einklang mit Gold hatte Silber im Herbst 2011 ein Alltime-High nahe 50 Dollar pro Feinunze erklommen, danach war es in einem sogenannten “Sägezahnkurs” abwärts gegangen. Es gibt einige Für und Wider bezüglich eines dauerhaft fallenden Silberpreises.

Argumente für den weiter fallenden Silberpreis

Die amerikanische FED hat sich Ende Oktober bezüglich ihrer künftigen Geldpolitik geäußert und ein Ende der ultralockeren Geldvergabe angekündigt. Wenn die FED wirklich die Zügel straffen würde, könnten die Edelmetalle Gold, Silber und Platin ihre enorme Rolle als Inflationsschutz verlieren. Die aktuelle Preisentwicklung beim Silber zeigt, das Edelmetall gab preislich Ende Oktober nochmals nach und steht am Wochenende 02./03.11.2013 bei 21,65 Dollar pro Feinunze. Argumente für einen weiter fallenden Silberpreis wären:

  • Die Edelmetall-Rallye vom Beginn der 2000er Jahre an könnte im Herbst 2011 ihr vorläufiges Ende gefunden haben. Die Klassiker Gold und Silber waren aus Sicht der Marktakteure zu teuer.
  • Die Aktienmärkte boomen im Herbst 2013 und versprechen – anders als Anlagen in Festgeld – kräftige Renditen. Anleger nutzen Edelmetalle als Anlagevehikel bei fallenden Aktienmärkten, aktuell verläuft ein gegenläufiger Trend.
  • Offizielle Stellen in den USA sowie den starken Staaten Europas, Südamerikas und Asiens konstatieren einen Aufschwung der Weltwirtschaft. Alles spricht für steigende Aktien- und sinkende Edelmetallmärkte.
  • Die US-Notenbank wies in einem Statement Ende Oktober 2013 darauf hin, dass sie die US-Wirtschaft inzwischen für stabil hält. Analysten glauben, dass die Notenbank das Tapering (schrittweises Reduzieren von Anleihekäufen) beginnen dürfte.

Argumente für einen steigenden Silberpreis

Dennoch sollte niemand bedenkenlos per Put-Option auf einen grenzenlos fallenden Silberpreis setzen, denn es gibt auch Gegenargumente. Zwar erstarkt aktuell der Dollar und setzt damit auch die Edelmetalle unter Druck, doch das muss nicht lange anhalten. Das Währungsargument für Preisveränderungen bei Edelmetallen heranzuziehen griff schon immer zu kurz, denn Währungen verlaufen in Swings und können kaum jahrelange Trends bewirken. Es gibt gewichtige Argumente, warum Silber sich preislich fangen und auch wieder im Preis steigen könnte:

  • Silber ist ein Industriemetall, es wird gebraucht und verbraucht, und zwar viel stärker als Gold.
  • Silber muss nicht sklavisch dem Gold folgen. Der Goldpreis ist in Relation in den letzten Wochen und Monaten stärker gefallen als der Silberpreis.
  • Edelmetallhändler und Münzprägeanstalten haben etwa vor fünf bis zehn Jahren Silber als Anlagemetall in den Fokus genommen und beispielsweise sehr schöne Serien von Anlagemünzen aufgelegt. Der Markt glaubt offensichtlich an Silber.
  • In Staaten wie Deutschland könnte bis Ende 2013 allein deshalb eine Silberrallye einsetzen, weil auf Anlagemünzen ab dem 01.01.2014 die volle Mehrwertsteuer fällig wird.
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Pfund klettert nach Guidance-Erklärung der BOE

Nach einer Guidance-Erklärung (Führungs-Erklärung) der BoE (Bank of England, britische Zentralbank) ist das Pfund gegen den Dollar am Mittwoch, dem 07.08.13, gestiegen. In ihrer Erklärung hatten die britischen Zentralbanker die Beibehaltung der britischen Leitzinsen (gegenwärtig: 0,5% wie EZB, USA: 0,25%) versprochen, solange die Arbeitslosenquote nicht signifikant auf noch höchstens sieben Prozent sinke (aktuell: 7,8%) und die Inflation unverändert niedrig bleibe. Das Pfund stieg daraufhin gegenüber dem Dollar auf 1,5463 (+0,6%), gegenüber dem Euro auf 0,8613 (ebenfalls +0,6%).

BoE stützt britische Erholung

Zuvor hatte das Pfund in den letzten Tagen und Stunden noch gegen den Dollar um bis zu 0,9% nachgegeben, weil der Markt an die wirtschaftliche Erholung der Briten nicht so recht glauben wollte. Doch die BoJ folgt nun dem Weg von FED und EZB, legt ihre Karten offen und deutet eine Niedrigzinspolitik bis zur wirtschaftlichen Erholung an. Das dürfte langfristig eine extrem lockere Geldpolitik bedeuten, wie es die USA schon vormachen. Auch hier orientieren sich die Leitzinsen vorrangig an der Arbeitsmarktpolitik. BoE-Chef Mark Carney benannte als Ziel, die konjunkturelle Erholung in Großbritannien abzusichern. Allerdings ließ er die Hintertür offen, bei unkontrollierter Inflation die Zinsschraube eher als erwartet wieder anzuziehen – also auch vor Erreichen des postulierten Ziels von 7,00% Arbeitslosenquote.

Aktuelle Wirtschafts- und Börsendaten aus Großbritannien

Während das britische Pfund die Guidance-Erklärung der BoE honorierte und am heutigen Mittwoch, dem 07.08.13, ab 12.00 Uhr zu einer steilen Intraday-Rallye ansetzte (Pfund-Euro Umrechnung), drehte der Londoner FTSE (vergleichbar dem deutschen DAX) ins Minus. Die Werte im Einzelnen:

  • GBP/USD: +0,6%
  • GBP/EUR: +0,6%
  • FTSE: -1,00%
  • Wachstumserwartung der BoJ für Q3/2013: +0,6%
  • Wachstum gegenüber 2007 (vor der Finanzkrise): -3,00%
  • Erwartung der BoJ an Arbeitslosenquote: 7,1% in Q3/2016
  • Arbeitslosenquote aktuell: 7,8%

Die Anleger hatten offensichtlich von der Erklärung der Bank of England mehr erwartet, nämlich noch umfangreichere Maßnahmen zur Konjunkturstütze. Das machen FED und EZB schon seit einiger Zeit mit milliardenschweren Anleihekäufen vor, dem zweiten Vehikel (neben niedrigen Leitzinsen) des modernen Gelddruckens. Es könnte sich bei den Verkäufen im FTSE aber auch um Gewinnmitnahmen handeln, denn die britische Wirtschaft steht so schlecht nicht da. Industrie und Einzelhandel melden deutliche Zuwächse, im Dienstleistungsbereich kann sogar die stärkste Entwicklung seit 2007 verzeichnet werden.

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Gesundheitsvorsorge: Was bringt das neue Präventionsgesetz?

Am 20. März 2013 hat der amtierenden Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) einen Gesetzentwurf für ein neues Präventionsgesetz vorgelegt. Dieses soll die Gesundheitsvorsorge stärken, was sich nach den Worten des Ministers allein aufgrund demografischer Veränderung zwingend erforderlich macht. Das vorrangige Ziel des angestrebten Gesetzes sei die Stärkung der Eigenverantwortung von Menschen für ihre Gesundheit. Die SPD fordert allerdings Nachbesserungen und wird im Bundesrat ihr Gewicht einsetzen, um das Gesetz in ihrem Sinne zu beeinflussen. Im Bundestag wurde das Gesetz bereits beschlossen.

Kernpunkte des geplanten Präventionsgesetzes

Daniel Bahr will zur notwendigen Solidarität innerhalb der gesetzlichen Krankenkassen zusätzliche Anreize für die eigene Gesundheitsvorsorge schaffen. Volkskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Depressionen könnten durch eine gesunde Lebensweise eindeutig eingeschränkt werden, so der Minister. Man lege auch den Fokus auf die rechtzeitige Motivation von Kindern und Jugendlichen. Im Einzelnen schlägt Daniel Bahr folgende Maßnahmen vor:

    • Die Krankenkassen sollen ihre Ausgaben für Präventionsleistungen von derzeit rund 220 Millionen Euro auf 420 Millionen nahezu verdoppeln.
    • Die betriebliche Gesundheitsförderung will der Minister aufwerten.
    • In Kindergärten, Schulen und Senioreneinrichtungen soll besser auf eine gesunde Lebensweise geachtet werden.

Die Ausarbeitung der Details steht bislang noch aus, weshalb im Bundestag eine lebhafte Debatte um das Präventionsgesetz entbrannte.

Fragen der Abgeordneten zum neuen Präventionsgesetz

Auf die Frage der Sprecherin der Linksfraktion Dr. Martina Bunge nach den einzusetzenden Mitteln verwies der Minister auf geplante Setting-Maßnahmen innerhalb der Krankenkassen, auf die das neue Gesetz abziele. Damit sollen künftig Personen erreicht werden, die bislang Präventionsangebote nicht oder nur ungenügend wahrnehmen. Wortmeldungen kamen des Weiteren von:

        • Christine Aschenberg-Dugnus (FDP): Die pflegepolitische Sprecherin der Liberalen fragte nach der besseren Verzahnung unterschiedlicher Akteure im Gesundheitwesen.
        • Angelika Graf (SPD) kritisierte mangelnde Ansätze des des bürgerschaftlichen Engagements etwa innerhalb von Selbsthilfe- oder Patientenorganisationen.
        • Elisabeth Scharfenberg (Bündnis 90/Grüne) erkundigte sich nach regionaler Koordinierung.
        • Stefanie Vogelsang (CDU/CSU) lobte den Gesetzentwurf und erkundigte sich gleichzeitig nach der Qualitätskontrolle bei der betrieblichen Gesundheitsvorsorge.

Der Minister stellte in Aussicht, offene Fragestellungen bis zur nächsten Lesung des Gesetzentwurfes durch seine Fachleute bearbeiten zu lassen. Er verwies abschließend nochmals auf den weitreichenden Ansatz des Gesetzes, das künftig mit der Prävention im Vor- und Grundschulalter beginnen und sie bis in die Seniorenheime fortführen werde. Eine Präventionskonferenz solle künftig Länder, Kommunen, Verbände und Vereine bezüglich der anstehenden Aufgaben koordinieren. Für die betriebliche Prävention sagte Bahr umfassende Unterstützung zu.

SPD und Grüne fordern Nachbesserungen zum Präventionsgesetz

Die SPD ebenso wie Bündnis 90/Grüne wollen im Bundesrat Nachbesserungen zum Präventionsgesetz durchsetzen. Das Kabinett steht kurz vor der Beschlussfassung, doch “Turnen auf Rezept” genüge längst nicht mehr für die Prävention, so die Hamburger Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks. Auch kritisieren SPD-Politiker die Umleitung von Mitteln der gesetzlichen Krankenkassen zur Prävention. Barbara Steffens (Grüne), Gesundheitsministerin im größten Bundesland Nordrhein-Westfalen, verwies auf die gesamtgesellschaftliche Aufgabe der Prävention. Dies sei nicht allein eine Angelegenheit der Krankenkassen, so die Senatorin.

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Untervermietung gegen Geld rechtfertigt fristlose Kündigung

Die Untervermietung einer selbst angemieteten Wohnung wird immer wieder erwogen, es gibt vielfältigen Situationen, in denen sie plausibel erscheint. Der Klassiker dürfte dabei das Pärchen sein, das ein Zusammenleben auf Probe dadurch regelt, dass einer der Partner beim anderen im Prinzip dauerhaft einzieht, was erst ab dem vierten Monat den Behörden zu melden ist (vorher ist es ein schlichter Besuch), und dabei natürlich auch einen Anteil an der Miete entrichtet. Auch unter Verwandten gibt es ähnliche Szenarien, selbst Freunde und Kollegen vermieten sich schon einmal untereinander ein Stück der Mietwohnung, weil die Lage es erfordert. Was aber, wenn jemand ein Geschäft daraus machen will? – Das kann zur fristlosen Kündigung führen, wie einige Rechtsfälle eindeutig belegen.

Untervermietung an Großstadtbesucher

Immer wieder geraten Münchner, Berliner, Hamburger oder Dresdner Mieter in die Versuchung, die eigene Wohnung als Pension in bester Großstadt- und damit Touristenlage zu vermieten – vielleicht, weil sie sie selbst gerade nicht dauerhaft nutzen. Der Bedarf ist sehr hoch, viele Touristen (natürlich auch anderer Städte) zahlen mit Kusshand einen kleinen Pensionspreis in der voll ausgestatteten Mietwohnung, ehe sie ins teure Hotel ziehen. Auch Messebesucher in Leipzig suchen händeringend eine Unterkunft, wenn die Hotels und Pensionen der Stadt ausgebucht sind, was Mieter auf den Plan ruft, die sich ein Zubrot mit wenig Aufwand sichern wollen. Sie treten dabei allerdings gewerblich auf und riskieren die fristlose Kündigung, vor allem wenn sie ihr kleines Zusatzgewerbe verschleiern. Diese Art der Untervermietung ist nämlich eine “Zweckentfremdung erster Güte”, wie sie etwa durch spezialisierte Anwälte bezeichnet wird. Die Gerichte folgen dieser Auffassung, zum Beispiel das Landgericht Berlin in seinem Beschluss zu einem derartigen Fall aus dem Jahr 2009 (Aktenzeichen: 63 S 435/09), bei dem es um die geschäftsmäßige Weitervermietung zu Ferienzwecken ging. Der Vermieter kam seinem Mieter auf die Schliche, kündigte ihm fristlos (ohne Abmahnung) und bekam von den Juristen recht.

Beworbene Ferienwohnung

In München verhandelte das Landgericht im Jahr 2012 einen Fall, in welchem der Mieter sogar eine Internetseite aufgebaut hatte (Az.: 473 C 2781/12) und mit dem “Urlaub in schöner Ferienwohnung” warb, die mit maximal neun Personen belegt werden könne. Dafür wollte der Wohnungsmieter 250 Euro pro Nacht, während des Oktoberfestes sogar 400 Euro haben. Ein Nachbar gab dem Vermieter einen Tipp, der sich anonym auf das Angebot bewarb, seinen Mieter und dessen Rechtsbruch eindeutig identifizierte und ihm daraufhin eine Abmahnung schickte. Dieser machte jedoch munter weiter, baute jedoch die Verschleierungstaktik aus: Die Interessenten mögen doch auf Nachfragen von Nachbarn behaupten, sie seien Freunde der Familie und würden kostenlos übernachten. Der Vermieter kündigte daraufhin fristlos, was die Richter in ihrem Urteil klar bestätigten. Dem Mieter seien die Interessen der Vermieterseite wegen eigener Profitinteressen völlig egal gewesen. Die Rechtslage hierzu ist eindeutig: Eine Untervermietung muss in jedem Fall vom Vermieter genehmigt werden, Entsprechendes regeln die §§ 540, 553 BGB.

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Rürup-Rente: Worauf selbstständige Frauen achten sollten

Deutsche Frauen erhalten im Durchschnitt nur halb so viel Rente wie Männer, weil sie vielfach in Teilzeit, mit geringerem Einkommen und manchmal über Jahre gar nicht arbeiten. Kindererziehungszeiten oder ein gut verdienender Ehemann, der seine Frau lieber daheim sehen möchte, kürzen die Erwerbstätigkeit ab, was sich im Alter und möglicherweise als geschiedene Frau sehr prekär auswirken kann. Vorsorgemöglichkeiten gibt es über die Riester- oder eine Betriebsrente, auch klassische Zusatzverträge können abgeschlossen werden. Wenn Frauen hingegen selbstständig sind, kommt für sie als geförderte Altersvorsorge am ehesten die Rürup-Rente infrage. Hier sollten sie auf das richtige Produkt setzen, um auf bestmögliche Weise vorzusorgen.

Das Konzept der Rürup-Rente

Im Gegensatz zum viel diskutierten Riester-Vertrag in all seinen Spielarten wird die Rürup-Rente in der Öffentlichkeit weniger thematisiert. Das muss nicht verwundern, denn obgleich auch gut verdienende Angestellte von einem Rürup-Produkt profitieren können, richtet sich die Art der Förderung über Steuerersparnisse am ehesten an die Selbstständigen. Auch einige andere Eigenschaften der Rürup-Rente wurden explizit für nicht gesetzlich Rentenversicherte, gewerblich oder freiberuflich tätige Personen entwickelt:

  • Die Einzahlungen in eine Rürup-Rente belohnt der Staat mit einer steuerlichen Absetzbarkeit von derzeit noch 20.000 Euro pro Person (Ehepaar: 40.000 Euro), geplant ist noch im Jahr 2013 eine Anhebung auf 24.000 Euro.
  • Die Anrechnung erfolgt progressiv, im Jahr 2013 können 76 Prozent der Einzahlungen geltend gemacht werden. Die Progression beträgt 2% p.a., ebenso progressiv steigt die Steuerlast auf die spätere Rente.
  • Der Versicherungsvertrag sieht ausschließlich eine monatliche Leibrente adäquat der gesetzlichen Rente vor. Auch verkauft oder beliehen kann eine Rürup-Rente nicht werden. Damit schützt der Staat die Selbstständige vor dem Zwangsverkauf ihrer Altersvorsorge in Notlagen, wie es mit klassischen Rentenprodukten allzu oft geschieht.
  • Die Rente wird ab dem 62. Lebensjahr ausgezahlt, auch das ein Schutz für die Absicherung im Alter, wo sie am nötigsten gebraucht wird.

Da es verschiedene Ansparvarianten für eine Rürup-Rente gibt, sollten gerade selbstständige Frauen auf das richtige Produkt setzen, um keine Einbußen hinnehmen zu müssen.

Welche Rürup-Rente eignet sich für Frauen?

Die Rürup-Rente kann wie jede andere private Rentenversicherung in verschiedenen Formen abgeschlossen werden. Wichtig zu wissen: Der Anbieter muss bei einem Rürup-Vertrag keinesfalls – wie beim Riester – die eingezahlten Beiträge garantieren. Es sind also Verluste etwa mit einer Fondspolice möglich. Grundsätzlich gibt es die Varianten:

  • klassische Rentenversicherung
  • Rentenversicherung per Fondseinzahlung
  • Fondssparplan

Nur die klassische Rentenversicherung verzinst wie jede Rentenversicherung die eingezahlten Beiträge auf konventionelle Weise am Kapitalmarkt, was zwar nicht die höchsten, dafür aber sichere Renditen einbringt. Beim Fondssparplan wird die Sicherheit zwar relativ hoch durch die Diversifizierung der Anlagen eingeschätzt, todsicher ist das Konzept aber nicht. Eine rein fondsgebundene Rentenversicherung setzt auf eng strukturierte Fonds, deren Performance recht stark vom Fondsmanagement abhängt und negativ ausfallen kann. Das ist etwas für risikobewusste Anleger, die möglicherweise schon durch andere Rentenprodukte ausreichend abgesichert sind, aber mit der Rürup-Rente Steuern sparen und (vielleicht) eine hohe Rendite erzielen möchten. Selbstständigen Frauen rät die Stiftung Warentest im Frühjahr 2013, auf die klassische Rentenversicherung zu setzen, denn gerade in ihrem Fall geht Sicherheit vor. Der Steuerbonus kommt in jedem Fall dazu.

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